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Der Tempelhoven
03.07.2009 - 20:39

Vorgeschichte
Die älteste Komthurey Norddeutschlands befindet sich in Süpplingenburg (Kreis Helmstedt) und wurde um 1130 von Kaiser Lothar III. gegründet. Die heutige St. Johanniskirche ist die ehemalige Komthurey Kapelle. Von dieser Komthurey ausgehend wurde der Tempelhof gegründet, da die Fortsetzung der Christianisierung Heinrich dem Löwen (Kreis Elbe/Oder) sowie den Zisterziensern am Herzen lag.

                                          

Aussehen
Der Tempelhof hatte wahrscheinlich eine quadratische Form (mit Turmbetonung) und war von einer Mauer umgeben. Im Inneren der Komthurey befand sich ein großes Haus (für den Komtur und die Ritter) mit eigener Kapelle. Die Kapelle war fensterlos und war entweder Rechteckig oder Quadratisch. Die Scheunen waren für das Gesindel, Arbeiter und Knechte gedacht. Neben den Scheunen befand sich das Empfangshaus in dem Unterkünfte für die Reisenden und Pilgerer waren. Der Tempelhof war umgeben von Weihern und Wassergräben zur Abwehr. Dem Tempelhof waren, wie allen Komthureyen der Templer, diverse Bauernhöfe angeschlossen. Der Tempelhof befand sich auf einem sanftem Hügel zwischen Reinhardt-, Park-, Richnow- und Schönburgstrasse. Von dort erstreckte er sich über das Gelände des alten und des Boseparks. Im Süden erfolgte die Begrenzung durch den Klarensee und im Norden durch künstlich angelegte Wassergräben. Außerhalb des Tempelhofes befand sich ein Krankenhaus zur med. Versorgung der Bewohner des Tempelhofes und der Aussätzigen.

Kapelle
Laut Professor Dr. Ernst Heinrich (Ordinarius vom Lehrstuhl für Bauaufnahme und Geschichte der Techn. Univ.) ist die Dorfkirche Alt-Tempelhof die ehemalige Komthurey-Kapelle. Von der Kapelle selber existiert heute nur noch das Fundament da die Kirche im Laufe der Jahre mehrfach abbrannte (durch Kriege und Anschläge). Das Taufbecken der Kapelle steht heute im Märkischen Museum zu Berlin.

Allgemeines
Um 1238 überträgt Markgraf Otto V. dem Templerorden das Patronat über die Kirche zu Berlin (St. Nicolai). Eine Urkunde darüber ist leider nicht erhalten geblieben. Die ersten, urkundlich erwähnten, Bewohner der Komthurey Tempelhof sind der Priester Thegem und der Magister Herman. Am 28.12.1234 nehmen sie die ersten Schenkungen für den Tempelhof entgegen. Der Tempelhof ging erst am 29.01.1318 an den Johanniterorden über (6 Jahre nach der offiziellen
Auflösung des Ordens) bedingt durch Markgraf Waldemar (der zu den Askaniern gehörte).

Urkundlichen Erwähnungen des Dorfes Tempelhof
Tempelhof besitzt keine Gründungsurkunde, damit ist es jedoch keine Ausnahme im Raum Brandenburg.

Erste eindeutige urkundliche Erwähnung:
1290 Der Ritter Jakob von Nybede schenkt den Franziskanermönchen in Berlin eine Ziegelscheune "dy de lit twischen Tempelhove und Berlin". Tempelhof (auch Tempelhove /- hoffe /- houve) existierte 1290 demnach schon eine Weile.

Es sind zwei frühere Urkunden erhalten, beide Datieren auf den 29.04.1247
- Die Erste nennt einen Bischof Ruthgerus von Brandenburg, der dem Kloster Walkenried (Harz) den Kirchenzehnt von 100 Hufen in der Uckermark verschreibt. Als Zeugen treten acht Geistliche auf, unter ihnen ein "magister Hermannus de templo".
- Die zweite Urkunde beinhaltet das Einverständnis des brandenburger Domkapitels zur oben genannten Schenkung. Diesmal werden als Zeugen mehrere Geistliche, aber auch drei Laien aufgeführt. Es fällt auf, dass Hermann zu dem Kreis der Kleriker gezählt wird. Ein Hinweis auf seine Zugehörigkeit zum geistlichen Ritterorden der Templer? Offen bleibt die Frage, woher Hermann stammt. Alle anderen Zeugen werden mit ihren Herkunftsort genannt und gehören zur Diözese Brandenburg: Die Äbte der Klöster Lehnin und Zinna, Propst Simeon von Berlin- Cölln, die Pfarrer von Werneuchen und Oderberg, zwei Kapläne aus Brandenburg u.a..

Die Deutung von "de templo" als Familienname oder voher nicht erwähntes slawisches Dorf (also ursprünglich Templow mit der typisch slawischen Endung -ow analog zu Beeskow, Pankow, Rathenow usw.) ist nicht überzeugend. Wahrscheinlicher ist ist ein Zusammenhang mit dem Orden der Tempelritter. Die Frage ist dann, ob "de templo" mit "von der Siedlung Tempelhof" (lateinische Form templo) zu übersetzen wäre oder mit vom Templerorden.

Beide Interpretationen sind möglich. Im ersten Fall wäre Tempelhof als eine von den Templern gegründete Siedlung zu deuten, parallel zu den Gründungen der Templerkomthurey Lietzen (Kreis Lebus): Tempelberg und Neuentempel, sowie der Komthurey Zielenzig (Sternberg): Dorf Tempel. Diese sind sämtlich schon Mitte des 13. Jh. nachweisbar. Somit wäre die Existenz des Dorfes Tempelhof im Jahre 1247 belegt; folgt man der zweiten Deutung zumindest die Niederlassung des Templerordens zu diesem Zeitpunkt. Allerdings weisen die um 1220 erbauten Dorfkirchen der späteren Dörfer Tempelhof und Marienfelde (ebenfalls als eine Gründung der Templer angenommen) darauf hin, dass die Ordensritter schon vor 1247 und auch vor 1220 in diese Gegend kamen. Vermutet wird, dass sie um 1200 das 200 Hufen große Land von den askanischen Markgrafen zugewiesen bekamen und die Grenzsicherung gewährleisten sollten. Ungeklärt bleibt, ob in diesem Raum Vorsiedlungen bestanden, die dann z.T. oder ganz übernommen worden waren.

Quellen
* Archiv Tempelhof: Tagesspiegel Nr. 7501 vom 17.5.1970 (Autor -es-)
* Heimatchronik Nr.9, 1949 (Sonderbeilage im Amtsblatt - Der Tempelhofer)
* Neue Tempelhofer Zeitung vom 28.8.1926


von Ademar



weitere Hinweise auch unter weitere Hinweise - http://de.wikipedia.org/wiki/Dorfkirche_Tempelhof


Odo von Craien


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